Coronavirus in Uruguay – Gesundheit und Krisenmanagement

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Wie sieht es mit der Sicherheitslage in Uruguay während der Coronakrise aus? Zu diesem Thema zeigen wir im Folgenden ein paar Fakten und persönliche Einschätzungen. Persönliche Anmerkungen deshalb, weil politische Ränkespiele und mangelndes Medieninteresse nicht immer alle Seiten beleuchten. Außerdem stellt sich die Situation während der Krise aus Sicht eines Ausländers doch etwas anders dar, als von den Einheimischen wahrgenommen – einigen zumindest. Was wir klar feststellen können ist, dass sich die dünne Bevölkerungsdichte, vor allem im Landesinneren, vorteilhaft auf die Nicht-Weiterverbreitung des Virus auf den ersten Blick auswirkt.

 

Coronavirus-Infektion fordert den Mensch und sein Umfeld

Anders sieht es  hingegen an den dichter besiedelten Stränden in und um die Hauptstadt Montevideo aus. Verantwortlich für die Weiterverbreitung des Virus ist besonders die Arroganz und Ignoranz der begüterten Mittelklasse, die es sich zu einem großen Teil nicht nehmen lässt, ihre Privilegien weiter auszuleben. Ein Verhalten, das auch in anderen Ländern beobachtet werden kann. Es genügt ein bisschen Topf-schlagen zur Abendzeit auf dem Balkon in den betuchten Mittelklassevierteln als Solidaritätsbekundung und schon ist das eigene Gewissen beruhigt. Am nächsten Tag geht es dann frohen Mutes ins Gedränge auf der Uferpromenade oder zu den Stränden raus in die Badeorte. Alles ist passiert und passiert immer noch.

Drastisch entwickelten sich die Situation vor Ostern, als sich der Virus so langsam auch in das Landesinnere vorgearbeitet hat. In nahezu allen Fällen waren ignorantes Verhalten einzelner dafür verantwortlich. Busse wurden genommen, obwohl eine persönliche Quarantäne einzuhalten war. Andere wiederum flüchteten mit ihrem eigenen Fahrzeugen aus Langweile aus ihren städtischen Appartements, trotz dass sie registrierte Virusträger waren, hinaus in die Badeorte, um dort die Quarantäne abzusitzen. Ein Verhalten, dass sich übrigens auch in Deutschland, USA und in Frankreich bemerkbar macht. Und hier vor allem in der Oberschicht. https://www.spiegel.de/politik/ausland/corona-flucht-wo-reiche-auf-distanz-gehen

Durch ihr egoistisches und asoziales Verhalten provozieren diese meist betuchten Zeitgenossen nicht nur Elend und Schmerz. Sie ziehen sich damit zudem den Zorn der Einheimischen in den Zweitdomizilen zu. Auch in Uruguay war dies festzustellen. Es wurden Straßenblockaden von Anwohnern in Badeorten gegen die Reisenden aus der Hauptstadt errichtet – unter der Kontrolle der Polizei wohlgemerkt. Schnell war festzustellen, dass es ein homogenes Volk nur so lange gibt, wie die Situation beherrschbar ist. Danach brechen die Dämme. Jeder ist sich selbst der nächste.

Uruguay Corona Virus
Uruguay Corona Virus

COVID-19 unter Kontrolle in Uruguay?

Weiterhin lässt sich feststellen, dass die neu gewählte Regierung bislang dank einiger glücklicher Umstände die Krisensituation relativ gut gemeistert hat. Glücklich deshalb, weil der Virus erst kurz nach der Hauptsaison – Mitte März – in Uruguay in Erscheinung trat. Wieder durch ein wenig überlegtes Verhalten einer einzelnen Geschäftsfrau, die infiziert aus Italien zurückkam. Doch auch die uruguayische Bevölkerung hat sich in dieser Situation nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Rief sie doch durch die sozialen Netzwerke zu einem wahren Hexenprozess auf. Den Hintergrund der Geschichte lassen wir hier außen vor. Hinzu kommt die schon angemerkte dünne Besiedlung im Landesinneren. Bis zum heutigen Tag, ca. 6 Wochen nach dem ersten Auftritt des Coronavirus in Uruguay, sind immer noch 5 der Departements vom Virus verschont geblieben. Am 22.4.2020 war die Situation wie folgt:

  • Bestätigte Virusfälle 543
  • Genesene Fälle 324
  • Todesfälle 12

Nahezu alle Todesfälle stammen aus der Mittelschicht, darunter einige angesehene Persönlichkeiten aus dem Land.

Panik kam zu keinem Zeitpunkt bislang in der Bevölkerung auf. Dies ist zum einen auf den etwas behäbigen uruguayischen Lebensstil zurückzuführen und zum anderen auf das letztendlich doch relativ besonnene Reagieren der neuen Regierung auf die schwierige Lage. Das Land war und hatte sich jedoch zu keiner Zeit, trotz des beständigen Annäherns des Virus und der Kenntnis, dass viele Uruguayer mit italienischen und spanischen Wurzeln sich in den beiden damals noch sehr stark betroffenen europäischen Krisenländern aufhielten, auf die drohende Lage eingerichtet. Es dauerte viel zu lange bis die entsprechenden Maßnahmen getroffen wurden. Dann allerdings zügig, durchgreifend und flächendeckend binnen eines kurzen Zeitraums. Seit dem Ausruf des nationalen Gesundheitsnotstand am 13. März wurden alle öffentliche Aktivitäten untersagt und die Bildungseinrichtungen geschlossen. Ab dem 13. April wurden bestimmte wirtschaftliche Bereiche unter Auflagen (Bau) wieder geöffnet. Nicht gerade förderlich für die immer noch brenzlige Situation sind die frühzeitigen Öffnungen der Landschulen, was auch zu massiven Protesten seitens der Lehrer geführt hat. Vorteilhaft wiederum ist, dass die Grenzen zu Brasilien weiterhin geschlossen bleiben. Einem Land, in dem es derzeit während der Krise drunter und drüber geht.

Es wird vielfach dem neuen Präsidenten bei seinem Handeln zugutegehalten, dass er erst 14 Tage im Amt war, als die Coronakrise über das Land hereinbrach. Doch es handelt sich bei Lacalle Pou um einen Berufspolitiker, dessen Vater schon Präsident des Landes war. Dem Mann wurde die Politik praktisch in die Wiege gelegt. Nun durfte er schneller zeigen, was er kann, als ihm wahrscheinlich lieb war. Entscheidend für das zögerliche Verhalten war aber nicht seine eigene zaghafte Entscheidungsfreudigkeit, sondern vielmehr die internen Rangeleien der neu gebildeten Koalition, die aus wirtschaftsliberalen Freidenkern, nationalistischen Landlords und nicht zuletzt rechten und ultrarechten Flügeln mit Militärhintergrund besteht.

Interessant ist, dass es keine lautstarke Opposition zu vernehmen gab, als der Präsident eine Kürzung der Beamtengehälter (einschließlich des eigenen plus die alle Minister) bekannt gab. Eine bemerkenswerte solidarische Aktion. Dazu müssen alle öffentliche Bedienstete, die über ein Einkommen von etwas mehr als 1700 Euro verfügen, mit einer Gehaltskürzung von 10 Prozent rechnen.

Uruguay COVID-19
Uruguay COVID-19

Gesundheitspolitik während der Viruskrise in Uruguay

Es scheint, wie gesagt, dass die Ausnahmesituation bislang fest im Griff der Regierung ist. Es gilt aber zu bedenken, dass im Gaucho-Land der Winter vor der Tür steht. Und wie mittlerweile bekannt ist, favorisieren kühle Temperaturen die Ausbreitung des Virus. Zudem starten in Uruguay jetzt flächendeckend die kostenlosen Grippeimpfungen. Wie der menschliche Körper auf die Doppelbelastung reagiert, wird sich bald zeigen. Im ganzen Land stehen ca. 900 Intensivbetten mit der notwendigen Ausrüstung für eine adäquate Behandlung des aggressiven COVID-19 bereit. Laut dem Präsidenten reichen diese für 8.700 Fälle aus. Zu 2/3 gehören die Intensivbetten jeodoch den privaten Trägern. Im Land, vor allem in der Nähe der Hauptsstadt und um Punta del Este, stehen zahlreiche Kliniken mit einem erstklassigen medizinischen Equipement bereit. Dazu entwickeln die uruguayischen Wissenschaftler eigne Coronavirus-Test-Kits, mit denen pro Monat bis zu 20 000 Test durchgeführt werden können.

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Abschliessend kann gesagt werden, dass das Krisenmanagement recht gut bislang gearbeitet hat. Wie in anderen Länders stehen die Politik und die Spezialisten aus der Medizinbranche vor einem bislang nicht dagewesenen Ereignis. Es bleibt zu hoffen, dass sich ein für alle Sparten gesunder Mittelweg zwischen Wirtschaft und Gesundheit finden lässt. Und dies nicht nur in Ururuguay. Denn niemand muss glauben in der heutigen Zeit eine solche Krise allein bewältigen zu können. Aufgrund der verflochtenen Abhängigkeit der Länder untereinander gibt es nur einen gemeinsamen Weg aus der Coronakrise.

Ich möchte hier noch auf auf einen Artikel aus dem kritischen Medienportal Nachdenkenseite verweisen, der ein paar Tage nach unserem erschien. Darin werden etwas versteckt einige der genannten Punkte aufgegriffen. Vielmehr aber zeigt der Bericht, wie es wirklich in Südamerika und Lateinamerika mit dem Management der Coronaviruskrise aussieht. Uruguay kommt dabei mit zwei anderen Ländern aus der Region, trotz einiger Anfängerfehler (haben aber auch gestandene Politik-Profis rund um den Globus begangen), noch recht gut weg. Ein Auszug, der dies bestätigt: „Eine Studie des Pan American Journal of Public Health warnte bereits vor Jahren, Uruguay, Costa Rica und Kuba seien die einzigen Länder in der Region, die das im Jahr 2014 unterzeichnete Abkommen erfüllen, das eine 6-prozentige Investition des BIP in das öffentliche Gesundheitssystem empfiehlt;. Diese liegt aber immer noch 2 % unter dem OECD-Durchschnitt liegt.

Es lohnt sich einmal den kompletten Artikel „Lateinamerika – Corona-Pandemie im Lichte neoliberaler Gesundheitspolitik, brutaler Etatkürzungen und der autoritären Versuchungen der US-Regierung“ zu lesen. https://www.nachdenkseiten.de/?p=60468 

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