Uruguay Kultur, Brauchtum und Traditionen im sympatischen Gaucho Land am Rio de la Plata

Was für ein Land ist Uruguay eigentlich und warum zieht es in den letzten Jahren immer mehr Reisende aus aller Welt an? Darüber möchte ich mir mal ein paar Gedanken machen. Aus Anlass einer Blogparade, in der das persönliche Wort des Jahres 2016 gesucht wird, habe ich mich aus naheliegenden Gründen für das Wort „Uruguay“ entschieden.
Gäbe es das kleine schnuckelige Ländchen an der Ostküste Südamerikas nicht, müsste man es erfinden. Nirgendwo sonst dehnt sich auf einer so kleinen Fläche das Land so unendlich weit aus. Und das in nahezu alle Richtungen. Die Weite der Pampa, die in Uruguay llanura heißt, das unbegrenzte Himmelsgewölbe mit seinen sternenklaren Nächten, in denen sich das Kreuz des Südens abzeichnet, und der davor sich ausbreitende Atlantik, der mal sanft an die teilweise unbewohnten Gestaden plätschert oder von mächtigen Getöse begleitet seine gewaltigen Wellen an die Felsenküsten wirft, bilden den geografischen Background der Gaucho Republik.

Uruguay – das bedeutet auch gigantische Flüsse, die das Land teilen und ihm Leben spenden. Der Rio Negro durchzieht das Land ,wie von einer Titanen-Axt gehauen, geradlinig von Ost nach West. Und der mächtige Rio de la Plata, der von den beiden über 2000 km langen Flüssen Rio Parana und dem Rio Uruguay gespeist wird, formt eines der gewaltigsten Mündungsdeltas auf dem Planeten. So klein und doch so groß.

 Kulturelle Einzigartigkeiten in Uruguay

Auch was den kulturellen Aspekt anbelangt, zeichnet sich Uruguay und die Uruguayer durch ein paar Einzigartigkeiten aus, die das Land und seine Einwohner ganz besonders machen. Wo sonst trifft der Reisende im Bus, im Auto, auf der Straße, im Fußballstadion oder am Strand auf so viele Menschen, die aus einem seltsamen aufgeschnittenen eiförmigen Behälter ein grünes Kraut mittels eines komisch gebogenen Halms trinken? Es scheint, als sei der Uruguayer mit der Thermoskanne unter dem Arm geboren worden zu sein. In allen Lebenslagen meistert er selbst akrobatische Situationen, ohne dabei einen Tropfen seines Mate-Getränks, das für ihn scheinbar ein Lebenselixier ist, zu vergießen. Ob beim Fallrückzieher auf dem Bolzplatz, oder beim Treiben der Kühe auf einem der knubbeligen Criollo-Pferde, der Mate und die Thermoskanne sind dabei.

Mate in Uruguay trinken
Mate in Uruguay trinken

Genusskultur Rindfleisch in Uruguay

Und noch ein Thema bestimmt das Leben der Uruguayer von Geburt an. Nämlich das Fleisch. Trotz dass das Land von einem riesigen Meer umgeben ist und in alle Himmelsrichtungen durchzogen wird von mächtigen Flüssen und Hunderten von kleinen dahinplätschernden Bächen. Und trotz dass sich weit ausbreitende Süss- und Salzwasser-Lagunen und verspielt von Götterhand hingekleckste Tümpel verstreut im ganzen Land finden, interessiert ihn das Wasserleben oder das Leben im Wasser nur am Rande. Wasser, das wird gekocht und zum Mate-Aufbereiten genutzt. Ansonsten nimmt der Einheimische höchstens in den heißen Sommermonaten noch ein erfrischendes Bad an den zahllosen Meeres- und Flussstränden. Aber Essen findet sich auf den Weiden und nicht im Wasser.

Was schert den Uruguayer was die Weltgesundheitsorganisation über den Fleischkonsum von sich gibt. Wenn der Uruguayer – auch wenn er nur 100 m von Meer entfernt lebt – nicht regelmäßig, und damit ist 3–5 mal die Woche sein Asado (uruguayisches Grillen und speziell geschnittenes Fleischstück) auf dem Tisch sieht, dann kann er ungemütlich werden. Was allerdings bei der Masse an Rindern im Land kaum vorkommt.

Asado in Uruguay
Uruguayisches Grillen Asado – Lamm mit Haut und Haaren

„Uraltes“ und seltsames Uruguay Brauchtum

Zum Glück hat der Uruguayer für jeden Anlass einen meist „uralten“ kulturellen Brauch auf Lager, mit dem er aus scheinbar miesen Situationen das Beste macht. Der Einheimische hasst zum Beispiel den Regen. Wer tut das nicht außer den Landwirten nach einer endlosen Dürreperiode? Doch fängt es an zu regnen oder sieht es nur danach aus – hier kann der Übergang fließend sein –, schießen die tortas-fritas-Buden wie Pilze aus dem Boden. An jeder Straßenecke bieten ambulante Händler dann eine in heißem Öl frittierte Teigmasse an. Wozu das gut sein soll, hab ich noch nicht herausgefunden. Eine Wärmevermittlung durch die heißen tortas fritas an kalten Tagen kann es allein nicht sein, denn das Konzept funktioniert auch im Hochsommer.

Carneval Candombe Uruguay
Carneval Candombe Uruguay

Was bedeutet Urugayer sein?

Uruguayer sein, das bedeutet heimatverbunden zu sein, in Nostalgie zu schwärmen und möglichst stressfrei zu leben. Nur der vom Konsumrausch beeinflusste Großstädter verfällt dem Kaufrausch in den Shoppingtempeln der Hauptstadt Montevideo, die aber dennoch trotz ihrer Größe nur ein überdimensionales Mittelstädtchen ist. Kling paradox, ist aber so. Verkehrsstaus sind selbst in der Millionenmetropole selten.  Der Rest der Bevölkerung liebt es gemütlich bei einem Asadito. Womit ich bei einer weiteren Eigentümlichkeit der Einheimischen gelandet bin. Die Neigung bei jeder Tätigkeit den Diminutiv zu verwenden. Alles was groß ist, wird klein geredet und das im, na ja, meist positiven Sinn. Una cervecita (ein Bierchen), un asadito – Grillfestchen, un matecito (für den kleinen Mate) und auch in der Liebe wird nicht von der großen Liebe – mi amor, sondern von mi amorcito geredet. Klein und doch so groß – wie schon gesagt. Oder war das nun andersrum? Na egal, der Leser hat hoffentlich verstanden.

Badeort La Paloma Rocha Uruguay aus der Luft - Standort von Uruguay erleben
Badeort La Paloma Rocha Uruguay aus der Luft – Standort von Uruguay erleben – Foto von tourismorocha

Muss der Uruguayer auf dieses und noch viel mehr verzichten, dann redet er vom “se le pianta un lagrimón” (überfällt ihn das Wehleiden), denn all diese überwältigende Natur und Geografie sowie die uralten Traditionen sind bis in das Tiefste in seinem Herzen verankert. Um nichts in der Welt möchte er diese missen. Seine Identität, die kulturellen Wurzeln mit den europäischen und afrikanischen Einflüssen, dem Mix aus italienischer Pizza, Schwarz-Afrika-Trommelrhythmen und Candombe-Tänzen, der Murga oder dem ungezwungenen Gaucho-Brauchtum würden es ihm für wenig sinnvoll erscheinen lassen, dauerhaft seinem Land den Rücken kehren zu wollen – auch wenn manchmal nicht alles ganz so rund im Staat läuft.

 

Mein Wort 2016 heißt daher aus Bewunderung für das Land Uruguay – hier zur Blogparade bei.reiseaufnahmen.de